Stell dir vor, du bist ein Samenkorn im „Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung“ in Gatersleben. Hier in Sachsen-Anhalt, ganz in der Nähe der Harzstadt Quedlinburg, bist du zwischen deinen pflanzlichen Kameraden in der so genannten „ex situ-Genbank“ des IPK gut aufgehoben. Hier bist du ein kleines Korn innerhalb einer riesigen Sammlung aus über 3000 botanischen Arten von 890 verschiedenen Gattungen. Insgesamt beinhaltet diese Sammlung im Moment 148.000 Kulturpflanzenmuster. Aber warum legt jemand solch eine große Sammlung der verschiedensten Kulturpflanzen an? Ganz einfach: das genetische Material jeder einzelnen Art ist furchtbar wichtig! Hier lagern auch alte, im modernen landwirtschaftlichen Betrieb schon längst nicht mehr angebaute Pflanzensorten, zum Beispiel alte Getreide- oder Tomatensorten und was sonst noch so von Menschenhand gepflanzt wird. Für Forscher_innen sind die Eigenschaften jeder Pflanzenart interessant. Erstens wird durch eine Genbank wie diese das Erbmaterial alter Kulturpflanzen erhalten und ein Aussterben nicht mehr genutzter Sorten verhindert. Zweitens kann die Forschung an Pflanzen aller Art durchgeführt werden. Egal ob unter dem Mikroskop oder in freier Wildbahn. Ja ja, du hast richtig gehört. Hier fristest du als Pflanzensamen nicht nur ein langweiliges Leben im Schrank, sondern wirst auch wirklich ausgepflanzt, untersucht und weiter gezüchtet. Die Pflanzenforscher_innen stellen sich heute vor allem die Frage, welche einzigartige genetische Information einer Pflanze für welche Eigenschaft zuständig ist. Warum benötigt beispielsweise die eine Getreidesorte viel weniger Wasser als eine andere? Eine wichtige Frage im Kampf gegen den Hunger auf der Welt! Denk dran: Du bist zwar nur ein kleines Samenkorn unter vielen in einer der größten Kulturpflanzengenbanken der Welt, aber vielleicht trägst gerade DU das spezielle genetische Erbmaterial mit dir herum, das für die Superpflanze der Zukunft benötigt wird! Das Forschungszentrum in Gatersleben, genauer gesagt das „Grüne Labor“, lädt immer wieder zu Schulaktionswochen auf den Biotech-Campus ein. Frag doch einfach nach, ob ihr euch das Ganze mal in natura anschauen und tolle Experimente machen könnt.