Du kannst es vielleicht gar nicht glauben, aber ja, es gab Zeiten in der Geschichte, in denen die Menschen ohne elektronische Kommunikationsmittel wie Handy oder E-Mail zurechtkommen mussten. Und dennoch waren sie nicht dumm und ließen sich etwas einfallen. Was den Indianern die Rauchzeichen, war den Preußen die Idee der optischen Telegraphenstation. Über eine Kommunikationskette konnten Nachrichten für damalige Zeiten wirklich sehr schnell übermittelt werden. Solch eine „Kommunikationskette“ bestand in den Jahren 1832 bis 1849 zwischen Berlin, Köln und Koblenz. Kommunikationskette! Was für ein abstraktes Wort! Eigentlich war alles ganz einfach und trotzdem schlau ausgedacht! Im Abstand von ein paar Kilometern standen sogenannte „Telegraphenstationen“. Das waren Türme, die allein mitten im Nirgendwo stehen konnten, aber auch auf hohen Gebäuden, wie Kirchen oder Sternwarten zu finden waren. Solche Stationen waren auch quer durch Sachsen-Anhalt zu finden. Es gab mehrere in der Magdeburger Börde, zum Beispiel in Neuwegersleben oder auf der Johanneskirche in Magdeburg selbst. Auf diesen Stationen errichtete man Telegraphenmasten, die insgesamt 6 Winkarme hatten, 3 auf jeder Seite. Bei jedem einzelnen Winkarm konnte man die Position verstellen. Nach oben, nach unten, schräg oder waagerecht. Und nun fing die kniffelige Arbeit an, die nur mit der tugendhaften Geduld preußischer Beamter zu bewältigen war. Kam jemand in Berlin an und übergab dort der Telegraphenstation Nr. 1 eine wichtige Nachricht, dann wurde die in einem komplizierten Verfahren verschlüsselt. Und zwar mit Hilfe der verschiedenen Positionen der Winkarme. Insgesamt konnten so 4096 Zeichen, also Buchstaben, Zahlen, Eigennamen und was sonst noch so gefragt war verschlüsselt werden. In der Station Nr. 1, der Berliner Sternenwarte, stand dann ein beflissener Beamter, der Buchstabe für Buchstabe mit den Winkarmen einstellte. 10 Kilometer weiter, auf Telegraphenstation Nr. 2 stand ein weiterer Beamter hinter einem Fernglas, las die einzelnen Zeichen am Telegraphenmast ab und diktierte einem zweiten Mann neben sich den verschlüsselten Text. Das ging so weiter, von Telegraphenstation zu Telegraphenstation bis zur letzten Station, der Nummer 62 in Koblenz, wo die Nachricht dann entschlüsselt und dem Adressaten übergeben wurde. Ein einziges Zeichen war bei besten Wetterbedingungen (man musste es ja auch gut erkennen können) weniger als eine Minute unterwegs. Und das auf einer Strecke von 550 Kilometern! Eine Nachricht mit 210 Buchstaben brauchte dann aber doch schon mal 13 Stunden. Aber immerhin! Schneller als ein Bote zu Pferd auf alle Fälle!

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